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WAS WIR WOLLEN: EINEN DACHGARTEN AUF DER KOCHGARAGE

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  • 13.06.2016

Graciela auf den Dächern New Yorks. Nicht etwa, um die spektakuläre Aussicht auf Manhattan zu genießen, vielmehr, um sich für die heimische Kochgarage in Sachen Gemüseanbau auf dem Dach fortzubilden. In New York investiert inzwischen sogar die Stadt in solche Dachfarmen, weil sie den großen Nutzen solcher Projekte erkannt hat.


Graciela, ich habe ziemliche Höhenangst, warum befinden wir uns also auf den Dach eines 12-stöckigen Gebäudes (!) mitten in Brooklyn?

Weil ich einen Traum habe: Ich möchte auf dem Dach der Kochgarage in München Gemüse und Kräuter anbauen, eine kleine Farm mitten in der Stadt sozusagen. Deshalb bin ich extra nach New York geflogen, denn hier gärtnert man schon sehr lange auf den Dächern. Vor allem in Brooklyn, wo es mehrere kommerzielle aber auch gemeinnützige Dachfarmen gibt, die von Erbsen über Kräuter, Spinat, Grünkohl bis Salat alles mögliche hier oben anbauen. Von diesen Erfahrungen möchte ich profitieren, schließlich muss man einiges dabei beachten. Hier in der kommerziellen Farm “Brooklyn Grange” werden die Ernte- und Pflanzperioden zum Beispiel ziemlich genau geplant, um die kleine Fläche bestmöglich zu nutzen und den Ertrag zu steigern.

Komposthaufen mit Aussicht

Ein Glück, dass das Dach der Kochgarage nicht so hoch ist! Dort könnte sogar ich einigermaßen entspannt hinauf. Was willst du dort anbauen?

Wir könnten nachhaltig Gemüse und Kräuter für unsere Küche anbauen und so auch der Umwelt etwas Gutes tun. Auch, wenn wir gleich noch einen eigenen Bienenstock hätten, schließlich sind die nützlichen Tiere durch viele Umweltgifte inzwischen stark bedroht. Darüber hinaus wäre es auch cool, wenn wir hin und wieder Schulklassen einladen könnten, um den Stadtkindern so auch wieder die Natur ein Stück näher zu bringen. Wir könnten ihnen zeigen, wie gut Tomaten wirklich schmecken können und was man in der Küche daraus macht. Hier in Brooklyn sind beinahe jeden Tag Schüler vor Ort und zusätzlich veranstalten sie regelmäßig Workshops für Hobby-Gärtner, die Tomaten auf dem Balkon anbauen wollen.

Selbst angebautes Gemüse schmeckt eben doch am besten, oder?

Klar. Das ist auch der Grund, warum viele Restaurants auf Produkte der lokalen Bauern und Dachfarmen hier zurückgreifen. Spitzenköche wie Daniel Humm merken einfach, wie gut die Produkte sind und dass es auch wegen des kürzeren Transportweges Sinn macht. Manche Restaurants, die die Möglichkeit dazu haben, bauen sogar selbst Gemüse auf dem Dach an. Ich war auch im Bell, Book & Candle, einem Restaurant in Greenwich Village, das ein besonderes Hydrosystem für seinen Dachgarten hat. Dort wächst der Salat in speziellen Behältern, für die keine Erde benötigt wird. Dennoch ist das System Bio. Der Koch dort muss den ganzen Sommer kein Gemüse dazukaufen, weil er alles selbst produziert. Und letztlich hat sogar das legendäre Waldorf-Astoria Hotel seinen eigenen Dachgarten und stellt auch den eigenen Frühstückshonig für seine Gäste her. Das ist doch toll.

Rooftop-Restaurant

Hier auf der Brooklyn Grange steht sogar ein Hühnerstall auf dem Dach. Wäre das auch eine Option für München?

Ja, absolut. Dann hätten wir Eier von glücklichen Hühnern bei uns auf dem Dach!

Und glaubst du, dass das alles auch in München möglich ist?

Aber sicher. Ich denke zwar, wir wären die ersten in München, die tatsächlich Gemüse auf einem Dach anbauen, aber rein technisch wäre es kein Problem. Ich habe auch zu einer Landschaftsarchitektin von der Technischen Universität München Kontakt, die gerne ihre Abschlussarbeit über dieses Pilot-Projekt schreiben würde. Und in New York investiert inzwischen sogar die Stadt selbst in solche Projekte, da sie den großen Nutzen solcher Konzepte erkannt hat.

Farm

Muss man dafür nicht tonnenweise Erde aufs Dach schaufeln?

Nein. Die meisten Pflanzen haben nicht so lange Wurzeln. Hier in der Brooklyn Grange und auch bei der coolen Eagle Street Rooftop Farm ist die Erdschicht inklusive der Drainage nur zehn bis zwölf Zentimeter hoch. Zudem verwenden sie hier eine recht leichte Erdmischung mit leichten Steinchen darin, die das Wasser zwar gut aufnimmt, es aber auch ablaufen lässt, sobald es zu viel regnet. So kann es nicht zu Überflutungen kommen. Diese Erde wurde auch schon in herkömmlichen Dachgärten genutzt, bevor damit begonnen wurde, Gemüse auf dem Dach anzubauen. Und die Erde auf dem Dach hat noch weitere Vorteile.

Zum Beispiel?

Sie isoliert auf ganz natürliche Art und Weise. In den Räumen darunter bleibt es im Sommer kühl und im Winter verliert ein Flachdach wie unseres auf der Kochgarage so wesentlich weniger Wärme. Das spart viel Energie. Wir könnten zudem unsere Küchenabfälle als Kompost auf unserem Dach verwenden und hätten ein eigenes kleines Ökosystem bei uns im Hinterhof. Es wäre doch wunderbar, wenn wir wieder mehr grün in unsere Städte zurückholen würden.

Dann viel Erfolg bei diesem Projekt, Graciela. Und halte uns auf dem Laufenden!

Mache ich!

 

buch

Hier findet ihr mehr Informationen zu den von uns besuchten Rooftop Farms:

Brooklyn Grange

Eagle Street Rooftop Farms

Restaurant Bell, Book and Candle

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